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Bei dem, was wir gewöhnlich Freunde und Freundschaft nennen, handelt es sich allenfalls um nähere Bekanntschaften, die bei gewissen Anlässen oder um irgendeines Vorteils Willen, geknüpft wurden und uns nur insoweit verbinden. bei der Freundschaft hingegen, von der ich spreche, verschmelzen zwei Seelen un dgehen derart ineinander auf, dass sie die Naht nicht mehr finden, die sie einte. (Montaigne)
Alles zu bezweifeln oder alles zu glauben, das sind zwei gleichermaßen bequeme Lösungen, denn beide entheben sie uns des Nachdenkens.
(Henri Poincarè) Hüte dich vor schlechter Gesellschaft und verweile nicht bei den Gleichgültigen.
(Buddha) es kommt im leben nicht auf den sinn des lebens an, sondern vielmehr auf das gefühl des lebens.... ich weiß leider nicht mehr woher ich das habe aber ich finde es sehr treffend
Das Beste was Füße tun können, ist tanzen..
Kermit, der Frosch Den Mann von Worten, von dem von Werken unterscheiden.
Diese Unterscheidung erfodert die größte Genauigkeit, eben wie die der Freunde, der Personen und der Ämter; da alle diese Dinge große Verschiedenheit haben. Weder gute Worte, noch schlechte Werke, ist schon schlimm, aber weder schlechte Worte, noch gute Werke, ist schlimmer. Worte kann man nicht essen, sie sind Wind; und von Artigkeiten kann man nicht leben, sie sind ein höflicher Betrug. Die Vögel mit dem Lichte fangen, ist das wahre Blenden. Die Eiteln lassen sich mit Wind abspreisen. Die Worte sollen das Unterpfand der Werke sein , und dann haben sie ihren Wert. Die Bäume, die keine Frucht, sondern nur Blätter tragen, pflegen ohne Mark zu sein; man muß sie kennnen, die einen zum Nutzen, die anderen zum Schatten. Baltasar Graciàn Einsicht haben oder den anhören, der sie hat.
Ohne Verstand, eigenen oder erborgten, läßt sich`s nicht leben. Allein viele wissen nicht, dass sie nichts wissen, und andere glauben zu wissen, wissen aber nichts. Gebrechen des Kopfes sind unheilbar, und da die Unwissenden sich nicht kennen, suchen sie auch nicht, was ihnen abgeht. Manche würden weise sein, wenn sie nicht es zu sein glaubten. Daher kommt es, dass, obwohl die Orakel der Klugheit selten sind, diese dennoch unbeschäftigt leben, weil keiner sie um Rat fragt. Sich beraten schmälert nicht die Größe und zeugt nicht von Mangel eigener Fähigkeit, vielmehr ist sich gut beraten ein Beweiß derselben. Man überlege mit der Vernunft, damit man nicht widerlegt werde vom unglücklichen Ausgang. Baltasar Graciàn Fehler als solche erkennen, auch wenn sie in noch so hohem Ansehen stehen. Der Makellose verkennt das Laster nicht, auch wenn es sich in Gold und Seide kleidet; ja es wird bisweilen eine goledene Krone tragen, deshalb aber doch nicht weniger verwerflich sein. Die Sklaverei bleibt niederträchtig, so sehr man sie durch die Hoheit des Herrn beschönigen möchte. Die Laster können hoch stehen, sind aber deshalb doch nichts Hohes. Manche sehen, dass jener große Mann mit diesem oder jenem Fehler behaftet ist, aber sie sehen nicht, dass er keineswegs durch denselben Mann ist. Das Beispiel der Höheren hat eine solche Überredungskraft, dass es uns sogar Häßlichkeiten beredet und selbst die des Gerichts von Schmeichlern bisweilen affektiert wurden, welche jedoch nicht begriffen, dass, wenn man bei den Großen gegen dergleichen die Augen verschließt, man es an den Geringeren verabscheut. Baltasar Graciàn Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht. Abraham Lincoln Wie in einem Theaterstück kommt es im Leben nicht darauf an, wie lange es dauert, sondern, wie gut es gespielt wird. Lucius A. Seneca Friedfertig leben, lange leben. Um zu leben, leben lassen. Die Fiedfertigen leben nicht nur; sie herrschen. Man höre, sehe und schweige. Der Tag ohne Streit bringt ruhigen Schlaf in der Nacht. Lange leben und angenehm leben heißt für zwei leben und ist die Frucht des Friedens. Alles hat der, welcher sich aus dem nichts macht, woran ihm nichts liegt. Keine größere Verkehrtheit, als sich alles zu Herzen zu nehmen. Gleich große Torheit: daß uns das Herz durchbohre, was uns nicht angeht, und daß wir uns nicht kümmern wollen um das, was wichtig für uns ist. Baltasar Graciàn Nicht am Wissen liegt es, wenn einer auf dem Wege stehen bleibt und nicht mehr weiter will, denn er sucht Sicherheit, wo Mut verlangt wird und Freiheit, wo das Richtige ihm keine Wahl mehr läßt. Bert Hellinger Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das was wir nicht tun. Moliere Man sei nicht zudringlich, so wird man nicht zurückgesetzt werden. Man setze selbst Wert auf sich, wenn die andern es sollen. Eher sei man karg als freigiebig mit seiner Person. Wer ersehnt ankommt, wird wohl empfangen werden. Nie komme man ungerufen und gehe nur, wenn man gesandt wird. Wer aus freien Stücken etwas unternimmt, wird, wenn es schlecht läuft, den ganzen Unwillen auf sich laden; läuft es hingegen gut ab, weiß man ihm doch nicht Dank. Der Zudringliche wird mit Geringschätzung und Wegwerfung aller Art überhäuft; eben deshalb, weil er sich mit Unverschähmtheit eindrängte, wird er mit Beschämung fortgeschickt. Baltasar Graciàn Nie handle man im leidenschaftlichem Zustand, sonst wird man alles verderben. Der kann nicht für sich handeln, der nicht bei sich ist; stets aber verbannt die Leidenschaft die Vernunft. In solchen Fällen lasse man für sich einen vernünftigen Vermittler eintreten, und das wird jeder sein, der ohne Leidenschaft ist. Stets sehen die Zuschauer mehr als der Spieler, weil sie leidenschaftslos sind. Sobald man merkt, daß man außer Fassung gerät, blase die Klugheit zum Rückzuge; denn kaum wird das Blut sich vollends erhitzt haben, so wird man blutig zu Werke gehen und in wenig Augenblicken auf lange Zeit sich zur Beschämung und andern zur Verleumdung Stoff gegeben haben. Baltasar Graciàn Die Gemütsarten derer, mit denen man zu tun hat, begreifen,um ihre Absichten zu ergründen. Denn ist die Ursache richtig erkannt, so ist auch die Wirkung, erstlich aus jener, sodann aus dem Motiv. Der Melancholische sieht stets Unglücksfälle, der Boshafte Verbrechen voraus; denn immer stellt sich ihnen das Schlimmste dar, und da sie des gegenwärtigen Guten nicht inne werden, so verkünden sie das mögliche Übel vorher. Der Leidenschaftliche redet stets eine fremde Sprache, die von dem, was die Dinge sind, abweicht; aus ihm spricht die Leidenschaft, nicht die Vernunft. So redet jeder gemäß seinem Affekt oder seiner Laune, und alle gar fern von der Wahrheit. Man lerne ein Gesicht entziffern und aus den Zügen der Seele heraus zu buchstabieren. Man erkenne in dem, der immer lacht, einen Narren, in dem, der nie lacht einen Falschen. Man hüte sich vor dem Frager, weil er leichtsinnig oder ein Späher ist. Wenig Gutes erwarte man von den Mißgestalteten; denn diese pflegen sich an der Natur zu rächen, und wie sie ihnen wenig Ehre erzeigte, so ist ihre keine. So groß wie die Schönheit eines Menschen pflegt seine Dummheit zu sein. Baltasar Graciàn <>Sich an die Charakterfehler seiner Bekannten gewöhnen, eben wie an häßliche Gesichter. Es ist unerläßlich, wo Verpflichtungen uns an sie knöpfen. Es gibt erschreckliche Charaktere, mit denen man nicht leben kann, jedoch ohne sie nun auch nicht. Dann ist es geschickt, sich an sie, wie an häßliche Gesichter, allmählich zu gewöhnen, damit man nicht, bei irgendeiner fürchterlichen Gelegenheit, ganz aus der Fassung gerate. Das erste Mal erregen sie Entsetzen; nach und nach verlieren sie an Scheußlichkeit, und die Überlegung weiß Unannehmlichkeiten vorzubeugen oder sie zu ertragen. Baltasar Graciàn Nicht seine Torheit fortsetzen. Manche machen aus einem mißlungenem Unternehmen eine Verpflichtung, und weil sie einen Irrweg eingeschlagen haben, meinen sie, es sei Charakterstärke, darauf weiter einzugehen. Innerlich klagen sie ihren Irrtum an, aber äußerlich entschuldigen sie ihn. Dadurch geschieht es, daß wenn sie beim Beginn der Torheit als unüberlegt getadelt wurden, sie beim Verfolgen derselben als Narren bestätigt werden. Weder das unüberlegte Versprechen, noch der irrige Entschluß legen Verbindlichkeit auf. Allein auf jene Weise setzen einige ihre erste Tölpelei fort und wollen beharrliche Querköpfe sein. Baltasar Graciàn Glück, ist das Einzige auf der Welt, was sich verdoppelt wenn man es teilt. Albert Schweitzer Wer sich nicht mit der Löwenhaut bekleiden kann, nehme den Fuchspelz. Der Zeit nachgeben, heißt, sie überflügeln. Wer sein Vorhaben durchsetzt, wird nie sein Ansehen verlieren. Wo es mit Gewalt nicht geht, - mit Geschicklichkeit. Auf einem Wege oder dem anderen: entweder auf der Herrstraße der Tapferkeit, oder auf dem Nebenwege der Schlauheit. Mehr Dinge hat Geschick durchgesetzt als Gewalt, und öfter haben die Klugen die Tapferkeit besiegt, als umgekehrt. Wenn man eine Sache nicht erlangen kann, ist es an der Zeit sie zu verachten.Baltasar Graciàn Die Narren ertragen können. Stets sind die Weisen ungeduldig: wer sein Wissen vehrmehrt, vehrmehrt seine Ungeduld. Große Einsicht ist schwer zu befriedigen. Die erste Lebensregel ist nach Eptiktet das Ertragenkönnen, worauf er die Hälfte der Weißheit zurückführt. Müssen nun alle Arten von Narrheit ertragen werden, so wird es großer Geduld bedürfen. Oft haben wir am meisten von denen zu erdulden, von welchen wir am meisten abhängen: eine dienliche Übung der Selbstüberwindung. Aus der Geduld geht der unschätzbare Frieden hervor, welcher das Glück der Welt ist. Wer aber zum Dulden kein Gemüt hat, ziehe sich zurück in sich selbst, wenn er anders auch nur sich selbst wird ertragen können. Baltasar Graciàn Winke verstehen zu wissen. Einst war es die Kunst der Künste, reden zu können, jetzt reicht das nicht mehr aus; erraten muß man können, vorzüglich wo es auf Zerstörung unsrer Täuschung abgesehen ist. Der kann nicht sehr verständig sein, der nicht leicht versteht. Es gibt hingegen auch Schatzgräber der Herzen und Luchse der Absichten. Gerade die Wahrheiten, an welchen uns am meisten gelegen, werden stets nur halb ausgesprochen; allein der Aufmerksame fasse sie im vollen Verstande auf. Bei allem Erwünschtem ziehe er seinen Glauben am Zügel zurück, aber gebe ihm den Sporn bei allem Verhaßtem.Baltasar Graciàn Die Kunst Glück zu haben. Es gibt Regeln für das Glück, denn für den Klugen ist nicht alles Zufall. Die Bemühung kann dem Glücke nachhelfen. Einige begnügen sich damit, sich wohlgemut an das Tor der Glücksgöttin zu stellen und zu erwarten, daß sie öffne. Andere, schon besser, streben vorwärts und machen ihre kluge Kühnheit geltend, damit sie auf den Flügeln ihres Wertes und ihrer Tapferkeit die Göttin erreichen und ihre Gunst gewinnen mögen. Jedoch richtig philosophiert gibt es keinen andern Weg als den der Tugend und Umsicht, indem jeder gerade so viel Glück und so viel Unglück hat, als Klugheit oder Unklugheit.Baltasar Graciàn Warten können. Es beweißt ein großes Herz mit Reichtum an Geduld, wenn man nie in eiliger Hitze, nie leidenschaftlich ist. Erst sei man Herr über sich, so wird man es nachher über andere sein. Nur durch die weiten Räume der Zeit gelangt man zum Mittelpunkt der Gelegenheit. Weise Zurückhaltung bringt die richtigen, lange geheim zu haltenden Beschlüsse zur Reife. Die Krücke der Zeit richtet mehr aus als die eiserne Keule des Herkules. Gott selbst züchtigt nicht mit dem Knittel, sondern mit der Zeit. Ein großes Wort: "Die Zeit und ich nehmen es mit zwei andern auf" * Das Glück selbst krönt das Warten durch die Größe des Lohns. Baltasar Gracian * dies soll Phillip der Zweite gesagt haben. Baltasar Graciàn Joviales Gemüt. Wenn mit Mäßigung, ist es eine Gabe, kein Fehler. Ein Gran Munterkeit würzt alles. Die größten Männer treiben auch bisweilen Possen, und es macht sie bei allen beliebt; jedoch verlieren sie dabei nie weder die Rücksichten der Klugheit, noch die Achtung vor dem Anstand aus den Augen. Andere wiederum helfen sich durch einen Scherz auf dem kürzesten Wege aus Verwicklungen; denn es gibt Dinge, die man als Scherz nehmen muß, und bisweilen sind es gerade die, welche der andere am ernstlichsten gemeint hat, Man legt dadurch Friedfertigkeit an den Tag, die ein Magnet der Herzen ist. Baltasar Gracian "wenn wir lernen möchten, wie man liebt, müssen wir zuerst lernen, wie man vergibt, um den vergangenen Schmerz und die vergangenen Kränkungen loszulassen. Liebe bedeutet, unsere Ängste, Vorurteile, unser Ego und unser Wenn und Aber loszulassen...." A.Jackson Nicht immer Scherz betreiben. Der Verstand eines Mannes zeigt sich im Ernsthaften, welches daher mehr Ehre bringt als das Witzige. Wer immer scherzt, ist nie der Mann für ernste Dinge. Man stellt ihn dem Lügner gleich; sofern man beiden nicht glaubt, indem man bei einem Lügen, beim andern Possen vermutet. Nie weiß man, ob er bei Vernunft spricht, welches soviel ist, als hätte er keine. Nichts geziemt sich weniger als das beständige Schäkern. Manche erwerben sich den Ruf, witzige Köpfe zu sein auf Kosten des Kredits, für gescheite Leute zu gelten. Sein Weilchen mag der Scherz haben; aber alle übrige Zeit gehört dem Ernst.Baltasar Graciàn Seine Lieblingsfehler kennen. Auch der vollkommenste Mensch wird dergleichen haben, und entweder ist er mit ihnen vermählt oder in geheimer Liebschaft. Oft liegen sie im Geiste, und je größer dieser ist, desto größer auch sie, oder auch desto auffallender. Nicht, daß der Inhaber sie nicht kennen sollte; sondern er liebt sie. Ein doppeltes Übel: leidenschaftliche Neigung, und ein Fehler. Sie sind Schandflecke der Vollkommenheiten und andern so widerlich als ihm selbst wohlgefällig. Hier nun gilt es eine kühne Selbstüberwindung, um seine übrigen Vorzüge von solchem Makel zu befreien. Denn darauf stoßen alle; und wenn sie das übrige Gute, was sie bewundern, zu loben haben, halten sie bei diesem Anstoß still und schwärzen ihn möglichst an, zur Verunglimpfung der sonstigen Talente.Baltasar Graciàn Seine Freunde zu nutzen verstehen. Auch dabei hat die Klugheit ihre Kunst. Einige sind gut in der Ferne, andre in der Nähe. Mancher taugt nicht für die Unterredung , aber sehr für den Briefwechsel: die Entfernung nimmt einige Fehler hinweg, welche in der Nähe unerträglich waren. Nicht bloß Ergötzen, sondern auch Nutzen muß man aus seinem Freunde schöpfen; denn er muß die drei Eigenschaften besitzen, welche einige dem Guten, andere dem Dinge überhaupt beilegen: Einheit, Güte und Wahrheit. Denn der Freund ist alles in allem. Wenige taugen zu guten Freunden, und daß man sie nicht zu wählen versteht, macht ihre Zahl noch kleiner. Sie sich zu erhalten ist mehr, als sie zu erwerben wissen. Man suche solche, welche es für die Dauer sein können; und sind sie anfangs auch neu, so beruhige man sich dabei, daß sie alt werden können. Durchaus die besten sind die von vielem Salz, wenn auch die Prüfung einen Scheffel kostet. Keine Einöde ist so traurig, als ohne Freunde zu sein. Die Freundschaft vermehrt das Gute und verteilt das Schlimme; sie ist das einzige Mittel gegen das Unglück und ist das Freiatmen der Seele. Baltasar Graciàn Ins Innere schauen. Man findet meistenteils die Dinge weit verschieden von dem, was sie schienen; und die Unwissenheit, welche nicht tiefer als die Rinde eingedrungen war, sieht wenn man zum Innern gelangt, ihre Täuschung schwinden. In allem geht stets eine Lüge voran, die Dummköpfe hinter sich ziehend am Seil ihrer unheilbaren Gemeinheit; die Wahrheit aber kommt immer zuletzt, langsam heranhinkend am Arm der Zeit. Für sie bewahren daher die Klugen die andere Hälfte jener Fähigkeit auf, deren Werkzeug unsere gemeinsame Mutter uns weislich doppelt verliehen hat. Der Trug ist etwas sehr Oberflächliches; daher treffen, die selbst oberflächlich sind, gleich auf ihn. Das Wahre und Richtige aber lebt tief zurückgezogen und verborgen; um desto höher geschätzt zu werden von seinen Weisen und Klugen.Baltasar Graciàn Man hüte sich einzutreten, wo eine große Lücke auszufüllen ist;tut man es jedoch, so sei man gewiß den Vorgänger zu übertreffen, ihm nur gleichzukommen, erfordert schon doppelten Wert. Wie es fein ist, dafür zu sorgen, daß der Nachfolger uns zurückgesehnt mache, so ist es auch schlau, zu verhüten, daß der Vorgänger uns nicht verdunkle. Eine große Lücke auszufüllen ist schwer, denn stets erscheint das Vergangene als das Bessere; und sogar dem Vorgänger gleich zu sein, ist nicht hinreichend, weil er schon den Erstbesitz voraus hat. Daher muß man noch Vorzüge hinzuzufügen haben, um den andern aus seinem Besitz der höheren Meinung herauszuwerfen. Baltasar Graciàn Nicht leicht glauben und nicht leicht lieben. Die Reife des Geistes zeigt sich an der Langsamkeit im Glauben. Die Lüge ist sehr gewöhnlich; so sei der Glaube ungewöhnlich. Wer sich hinreißen läßt, steht nachher beschämt. Inzwischen soll man seinen Zweifel an der Aussage des andern nicht zu erkennen geben, weil dies unhöflich, ja beleidigend wäre, indem man den Aussagenden dadurch zum Betrüger oder zum Betrogenem macht. Sogar aber ist dies noch nicht der größte Übelstand, sondern der, daß Ungläubigsein selbst einen Lügner verrät; denn ein solcher leidet an zwei Übeln: dem, nicht zu glauben, und dem, keine Glauben finden. Die Zurückhaltung des Urteils ist immer klug im Hörer; der Sprecher aber berufe sich auf den, von dem er es hat. Eine verwandte Art der Unbedachtsamkeit ist das leichte Verleihen seiner Zuneigung; denn nicht nur mit Worten, sondern auch mit Werken wird gelogen, und die letztere Art des Betrugs ist viel gefährlicher.Baltasar Graciàn Von der Reife. Sie leuchtet aus dem Äußeren hervor, noch mehr aus der Sitte. Die materielle Gewichtigkeit macht das Gold, die moralische den Mann wertvoll. Die Reife verbreitet über alle seine Fähigkeiten einen gewissen Anstand und erregt Hochachtung. Die Gesetztheit des Menschen ist die Fassade seiner Seele; sie besteht nicht in der Unbeweglichkeit des Dummen, wie es der Leichtsinn haben möchte, sondern in einer sehr ruhigen Autorität. Ihre Reden sind Sentenzen, ihr Wirken gelingende Taten. Sie erfordert einen sehr vollendeten Mann, denn jeder ist so weit ein ganzer Mann, als er Reife hat. Indem er aufhörte, ein Kind zu sein, fing er an, Ernst und Autorität zu erhalten. Baltasar gracian Nicht unzugänglich sein. Keiner ist so vollkommen, daß er nicht zuzeiten fremder Erinnerung bedürfte; von unheilbarem Unverstand ist, wer niemanden anhören will. Sogar der Überlegenste soll freundschaflichem Rate Raum geben, und selbst die königliche Macht darf nicht die Lenksamkeit ausschließen. Es gibt Leute, die rettungslos sind, weil sie sich allem verschließen, sie stürzen sich ins Verderben, weil keiner sich heranwagt, sie zurückzuhalten. Auch der Vorzüglichste soll der Freundschaft eine Türe offen halten, und sie wird die der Hilfe werden. Ein Freund muß Freiheit haben, ohne Zurückhaltung zu raten, ja zu tadeln. Diese Autorität muß ihm unsere Zufriedenheit und unsere hohe Meinung von seiner Treue und Verständigkeit erworben haben. Nicht allen soll man leicht Berücksichtigung oder auch nur Glauben schenken; aber im geheimen Innern seiner Vorsorge habe man einen treuen Spiegel an einem Vertrauten, dem man Zurechtweisung und Richtigstellung von Irrtümern verdanke und solche zu schätzen wisse. baltasar gracian Heute gibt es ein bild zum text, entstammend einer Karte, welche lange in meinem besitz war und auch einmal weit reiste. text und photo: jochen mariss Es ist viel Glück, zur Hochachtung auch die Liebe zu besitzen. Gemeiniglich darf man, um sich die Achtung zu erhalten, nicht sehr geliebt sein. Die Liebe ist verwegender als der Haß. Zuneigung und Verehrung lassen sich nicht wohl vereinen . Zwar soll man nicht sehr gefürchtet sein, aber auch nicht sehr geliebt. Die Liebe führt die Vertraulichkeit ein, und mit jedem Schritt, den diese vorwärts macht, macht die Hochachtung einen zurück. Man sei eher im Besitz einer verehrenden als einer hingebenden Liebe: so ist sie ganzen Leuten angemessen. Baltasar Graciàn Es ist von höherem Wert, Verstand als Gedächtnis zu leihen: um so viel, als man bei diesem nur zur erinnern, bei jenem aufzupassen hat. Manche unterlassen Dinge, die gerade an der Zeit wären, weil solche sich ihnen nicht darbieten: dann helfe eines Freundes Umsicht auf die Spur des Passenden. Eine der größten Geistesgaben ist die, daß einem sich darbiete, was not tut; weil es daran fehlt, unterbleiben manche Dinge, die gelungen wären. Teile sein Licht ein, wer es hat und bewerbe sich darum, wer dessen bedarf; jener mit Zurückhaltung, dieser mit Aufmerksamkeit. Man gebe nicht mehr als ein Stichwort: diese Feinheit ist nötig, wenn der Nutzen des Erweckenden irgendwie mit im Spiel ist, man zeige seine Bereitwilligkeit und gehe weiter, wenn mehr verlangt wird; hat man nun das Nein, so suche man das Ja zu finden mit Geschick: denn das meiste wird nicht erlangt, weil es nicht unternommen wird. Baltasar Graciàn Sich guter Werkzeuge bedienen. Einige wollen, daß die Nichswürdigkeit ihrer Werkzeuge ihren eigenen Scharfsinn zu verherrlichen diene; eine gefährliche Genugtuung, welche vom Schicksal eine Züchtigung verdient. Nie hat die Trefflichkeit des Ministers die Größe des Herrn verringert, vielmehr fällt der Ruhm des Gelungenen stets auf die Hauptsache zurück, wie auch beim Gegenteil der Tadel. Die Fama hält sich immer an die Hauptpersonen; sie sagt nie: der hatte gute, jender schlechte Diener; sondern: der war ein guter, jener ein schlechter Künstler. Also wähle man sie, prüfe man sie, denn einen unvergänglichen Ruhm hat man in ihre Hände zu legen.Baltasar Graciàn Den glücklichen Ausgang im Auge behalten. Manche setzen sich mehr die strenge Richtigkeit der Maßregeln zum Ziel als das glückliche Erreichen des Zwecks; allein stets wird, in der öffentlichen Meinung, die Schmach des Mißlingens die Anerkennung ihrer sorgfältigen Mühe überwiegen. Wer gesiegt hat, braucht keine Rechenschaft abzulegen. Die ganze Beschaffenheit der Umstände können die meißten nicht sehen, sondern bloß den guten oder schlechten Erfolg; daher wird man nie in der Meinung verlieren, wenn man seinen Zweck erreicht. Ein gutes Ende übergoldet alles, wie sehr auch immer das Unpassende der Mittel dagegen sprechen mag. Denn zuzeiten besteht die Kunst darin, daß man gegen die Regeln der Kunst verfährt, wenn nämlich ein glücklicher Ausgang anders nicht zu erreichen steht.Baltasar Graciàn Sein Wollen nur in Ziffernschrift. Die Leidenschaften sind die Pforten der Seele. Das praktische Wissen besteht in der Vorstellungskunst. Wer mit offenen Karten spielt, läuft Gefahr, zu verlieren. Die Zurückhaltung des Vorsichtigen gegen das Aufpassen des Forschenden: gegen Luchse an Spürgeist, Tintenfische an Verstecktheit. Selbst unsern Geschmack darf keiner kennen, damit man ihm nicht begegne, entweder durch Widerspruch oder durch Schmeichelei. Seinem Herzen glauben, zumal wenn es erprobt ist;dann versag man ihm nicht das Gehör, da es oft das vorher verkündet, woran am meisten gelegen. es ist ein Hausorakel Viele sind durch das umgekommen, was sie stets gefürchtet hatten; was half aber das Fürchten, wenn sie nicht vorbeugten. Manche haben als einen Vorzug der Natur ein recht wahrhaftes Herz, welches sie allemal warnt und Lärm schlägt, wenn Unglück droht, damit man ihm vorbeuge. Es zeugt nicht von Klugheit ,Übeln entgegenzusehen, es sei denn, um sie zu überwinden.Baltasar Graciàn Die eine Hälfte der Welt lacht über die andere, und Narren sind alle. Jedes ist gut und jedes ist schlecht, wie es die Stimmen wollen. Was dieser wünscht, haßt jener. Ein unerträglicher Narr ist, wer alles nach seinen Begriffen ordnen will. Nicht von einem Beifall allein hängen die Vollkommenheiten ab. So viele Sinne als Köpfe, und so verschieden. Es gibt keinen Fehler, der nicht seinen Liebhaber fände, auch dürfen wir nicht den Mut verlieren, wenn unsre Sachen einigen nicht gefallen; denn andere werden nicht ausbleiben, die sie zu schätzen wissen, aber auch über den Beifall dieser darf man nicht eitel werden, denn wieder andere werden sie verwerfen. Die Richtschnur der wahren Zufriedenheit ist der Beifall berühmter Männer und derer, die in dieser Gattung eine Stimme haben. Man lebt nicht von einer Stimme, noch von einer Mode, noch von einem Jahrhundert. Baltasar Graciàn Wirklichkeit und Schein. Die Dinge gelten nicht für das, was sie sind, sondern für das, was sie scheinen. Selten sind die, welche ins Innere schauen, und viele die, welche sich an den Schein halten. Recht zu haben, reicht nicht aus, wenn mit dem Schein der Arglist. Baltasar Graciàn Die Einbildungskraft zügeln, indem man bald sie zurechtweist, bald ihr nachhilft; denn sie vermag alles über glück und sogar Verstand erhält Berichtigung von ihr. Sie kann eine tyrannische Gewalt erlangen und begnügt sich nicht mitmüßiger Beschauung, sondern wird tätig, bemächtigt sich oft sogar unseres ganzen Daseins, welches sie mit Lust oder Traurigkeit erfüllt, je nachdem die Torheit ist, auf die sie verfiel; denn sie macht uns mit uns selbst zufrieden oder unzufrieden, spiegelt einigen beständige Leiden vor und wird der häußliche Henker dieser Toren, andern zeigt sie nichts als Seligkeiten und Glücksfälle unter lustigem Schwindeln der Kopfes. Alles die vermag sie, wenn nicht die vernünftige Obhut unsrer selbst ihr den Zaum anlegt. Baltasar Graciàn |